Abriss der Geschichte der K.D.St.V. Ferdinandea
Gründung
1886 fanden sich in Prag katholische Studenten an der dortigen deutschen Karls-Universität zusammen, um eine Gemeinschaft zu gründen, die der Geselligkeit, dem religiösen und akademischen Austausch untereinander sowie der Wahrung der eigenen Identität und Interessen dienen sollte. Den Hintergrund bildeten zum einen Auseinandersetzungen zwischen Tschechen und Deutschen und zum anderen die anti-katholische Politik Preußens in der Zeit des sogenannten "Kulturkampfes".
So entstand nach einigen formalen Veränderungen die farbentragende Katholische Deutsche Studentenverbindung Ferdinandea zu Prag, die 1896 als 19. Mitglied in den Cartellverband (CV) eintrat, dem heute 125 Verbindungen in Deutschland angehören. (1975 begründete der CV mit anderen christlichen, europäischen Akademikerverbänden den Europäischen Kartellverband (EKV), in dem sich Studentenverbindungen aus über zehn europäischen Ländern wiederfinden.)
Die Jahre 1886 bis 1918
Der Verbindung erging es nach einiger Zeit so gut, dass bereits 1905 eine Tochterverbindung namens Vandalia zu Prag gegründet wurde, um so die Zahl der Mitglieder auf einem organisierbaren Niveau zu halten. Vandalia rief ihrerseits zwei Jahre später eine Tochterverbindung Saxo-Bavaria zu Prag ins Leben.
Von Ferdinandea ausgehend nahmen die katholischen Verbindungen einen festen Platz in Prag ein, was ihnen allerdings bisweilen die Missgunst der konfessionslosen, schlagenden Verbindungen eintrug.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam das Verbindungsleben dann nahezu zum Erliegen, da viele Bundesbrüder zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Für die Dauer des Krieges wurden die Kontakte und Verbindungsgeschäfte lediglich kommissarisch gepflegt.
Die Jahre 1918 bis 1939
Nach 1918 verlief das Verbindungsleben wieder in geregelten Bahnen, mit dem Unterschied, dass Prag jetzt nicht mehr im (deutschsprachig verwalteten) Habsburgerreich Österreich-Ungarn lag, sondern zur Tschechoslowakei gehörte. In den folgenden Jahren florierte die Verbindung, stand erneut Pate für einige Neugründungen katholischer Korporationen und erweiterte Ihre Kontakte zu Studentenverbindungen außerhalb Prags, insbesondere mit der Gründungsverbindung des CVs K.D.St.V. Aenania in München.
Mit der Machtergreifung Hitlers wurden die Katholischen Verbindungen auf deutschem Reichsgebiet 1933 verboten, ein Schicksal, dem sich die Ferdinandea nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei 1939 durch ihre Selbstauflösung entzog.
Seit 1939
Der Zweite Weltkrieg hatte für unsere Verbindung weitaus schwerwiegendere Konsequenzen als der erste. Nach der Kapitulation der Nationalsozialisten im Mai 1945 wurde die deutsche Bevölkerung aus der Tschechoslowakei vertrieben.
Für Ferdinandea bedeutete dies den Verlust der Kontakte untereinander und eines Großteils des Verbindungseigentums in Prag. In den Jahren bis 1950 waren daher einige Bundesbrüder stark engagiert, die weit verstreuten Ferdinanden wieder ausfindig zu machen. Diese Anstrengungen fanden einen Höhepunkt in der Wiederbegründung der K.D.St.V. Ferdinandea-Prag in Bamberg durch die K.D.St.V. Fredericia.
Als sich die Bedingungen in Bamberg allerdings als nicht sehr förderlich für die Verbindung erwiesen - der Bayrische Landtag beschloss die Universität Bamberg nicht zur Volluni auszuweiten -, entschieden die Mitglieder Ferdinandeas, die Verbindung an die Heidelberger Universität zu verlegen. Dort wurde 1956 unser Haus und Wohnheim erworben, das uns bis heute als zentraler Punkt des Verbindungslebens dient.